Kieselprozess und Kalkprozess
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Mineralische Polarität und Gesundheit
Kieselprozess und Kalkprozess bilden eine fundamentale Polarität in der Biodynamie. Sie sind nicht nur chemische Prozesse, sondern Ausdrücke gegensätzlicher Naturkräfte, deren Balance Gesundheit bedeutet.
Kiesel (Silizium) und Kalk (Kalzium) sind zwei essenzielle Mineralien. Kiesel ist hart, kristallin, in der Natur als Quarz in Steinen vorhanden. Es ist das Mineral der kosmischen Kräfte, es vermittelt Licht in organische Substanz. Kiesel bewirkt Formfestigkeit, Struktur, scharfe Begrenzung. Kalk dagegen ist weich (Kalkstein kann mit dem Messer geritzt werden), es bindet Wasser, es ist das Mineral der irdischen Kräfte, besonders des Wassers. Kalk bewirkt Aufgelöstheit, Weichheit, Beweglichkeit.
Diese Polarität ist nicht metaphorisch, sondern in der biologischen Realität verankert. Das Skelett ist zum Schutz und zur Strukturgebung aus Kalzium aufgebaut – es braucht Festigkeit. Das Nervensystem und das Auge dagegen sind reich an Silizium – es braucht Licht und Wahrnehmung. Die Knochen brauchen aber auch Silizium (in kollagenen Fasern), und das Auge braucht Kalzium (in den extrazellulären Räumen). Es ist eine Balance.
Kieselprozess und Strukturbildung
Im Kieselprozess dominieren die Abbauvorgänge, die Mineralisierung, die Ausbildung von Struktur. Wenn eine Pflanze zu viel Kiesel aufnimmt (durch hohe Kieslöslichkeit im Boden oder durch externe Kiselgaben), werden die Zellwände starr, die Pflanze wirkt spröde. Sie wird anfällig für bestimmte Pilzkrankheiten, die Lagerfähigkeit sinkt. Im Tierkörper führt zu viel Silizium zu Sklerosierungsprozessen.
Kalkprozess und Stickstoffbindung
Im Kalkprozess dominieren die Aufbauvorgänge, die Fixierung von Stickstoff, die Quellung. Ein Boden, der zu viel Kalk enthält, wird dicht und verschlämmt, besonders wenn die Humusmenge niedrig ist. Kalk bindet Phosphor zu unlöslichen Formen, beeinträchtigt die Verfügbarkeit von Spurenelementen. Im Pflanzenstoffwechsel führt zu viel Kalzium zu weichen, verwässerten Pflanzen, anfällig für Schädlinge.
Die biodynamischen Präparate Hornkiesel (500) und Hornmist (500) spielen auf diese Polarität an. Hornkiesel wirkt primär über Lichtvermittelung und Strukturgebung – es ist das „Kiesel-Präparat". Hornmist wirkt primär über Gärung und Aufbau – es ist das „Kalk-Präparat" (wobei die Nomenklatur etwas irreführendist, da Hornmist primär organisches Material ist).
Der Kalkprozess ist essentiell für die Stickstoffbindung durch Leguminosen. Kalk schafft das alkalische Milieu, in dem Knöllchenbakterien arbeiten können. Ein saurer Boden mit mangelndem Kalk wird arm an Stickstoff und an diesen Symbionten.
Der Kieselprozess ist essentiell für die Festigkeit und Lagerungsfähigkeit von Früchten und für die Widerstandskraft gegen Krankheiten. Ein Boden mit mangelndem Kiesel (und mangelnder Kiesellöslichkeit) wird arm an Qualität und Lagerfähigkeit.
Balance und praktische Bodenbearbeitung
Die Balance zwischen Kiesel und Kalk ist daher nicht akademisch, sondern praktisch entscheidend. Ein pH von etwa 6,5 bis 7,0 repräsentiert in vielen Böden diese Balance. Die biodynamische Bodenanalyse berücksichtigt nicht nur pH und Mineralgehalt, sondern auch die Qualität der Mineralien – ob sie löslich und verfügbar sind oder in gebundener Form vorliegen.
Siehe auch
Pflanzennährstoffe

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